23. Mai 2022

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Verstappen ist motiviert – Hamilton «aggressiverer Fahrer»

Lewis Hamilton will nicht mehr zurückstecken. Die Ansage des entthronten Weltmeisters in Richtung Max Verstappen ist deutlich. Vor dem Formel-1-Auftakt teilt der neue Weltmeister ebenfalls aus.

Als amtierender Weltmeister setzte Max Verstappen die erste verbale Spitze vor dem Adrenalin-Kräftemessen mit Lewis Hamilton.

«Sie werden ganz hinten sein. Ihren Kommentaren nach haben sie ein schreckliches Auto, denke ich. Und das schon seit 2017», bemerkte der Red-Bull-Champion mit beißender Ironie vor dem Auftakt-Grand-Prix in Bahrain am Sonntag (16.00 Uhr MEZ/Sky). Nach Verstappens Einschätzung redet sich Mercedes absichtlich schwach.

Hamilton erschien in einer weißen Designerjacke mit schwarzem Gürtel auf dem Kurs in der Wüste. Die Botschaft des Outfits könnte lauten: Der im Final-Thriller von Abu Dhabi entthronte siebenmalige Weltmeister ist bereit für den von der Formel 1 ersehnten nächsten Zweikampf um die WM-Krone.

«Ich werde ein aggressiverer Fahrer in diesem Jahr sein, ihr werdet sehen», versicherte Hamilton mit einem vieldeutigen Lächeln im Gesicht, als er auf künftige Zweikämpfe mit Verstappen angesprochen wurde. Der englische Rekordchampion, der als Schüler gemobbt worden war und dann im Kampfsport Zuflucht gefunden hatte, will nicht mehr zurückziehen.

Verstappen will mehr Erfolge

Im ersten Jahr der Formel-1-Regelrevolution mit komplett erneuerter Aerodynamik gibt es viele Unbekannten – die Zielstrebigkeit von Verstappen hat sich vor dieser 245 Tage dauernden Saison nicht geändert. «Die Motivation ist dieselbe und sogar noch höher, weil man weiter gewinnen will», versicherte Verstappen. Sein erster Titel habe Last von ihm genommen. «Dieser Druck, es zu wollen und zu brauchen, ist weg, aber wir wollen weiter Rennen gewinnen», betonte er.

Der Gewinn von Titel Nummer eins kann beflügelnd wirken. «Ich denke, dass es einen Schub gibt. Es nimmt einem in gewisser Weise eine Menge Gewicht von den Schultern», erinnerte sich Aston-Martin-Pilot Sebastian Vettel, der nach einem positiven Corona-Test fehlt, an seinen ersten von vier WM-Titeln 2010.

Verstappen legte auch vorerst seine Startnummer 33 ab und wird diese Saison mit der Nummer 1 des Weltmeisters bestreiten. «Vielleicht ist das ja das einzige Mal in meinem Leben, dass ich es so machen kann», meinte der Niederländer und ergänzte lachend: «Außerdem ist es gut, um Fan-Artikel zu verkaufen, also ist es auch clever.»

Verstappen sieht sich nach dem kontroversen WM-Finale 2021 nicht unter dem Druck, sich beweisen zu müssen. «Nein, ich habe es mit den meisten Siegen, den meisten Poles und den meisten Führungsrunden bewiesen. Die Leute vergessen das, weil sie nur auf Abu Dhabi schauen. Wir haben aber mehr Rennen als nur Abu Dhabi in dieser Saison», erklärte Verstappen.

Sorgen vor Selbstzufriedenheit hat er vor den anstehenden 22 Rennen ohnehin nicht. «Ich bin so aufgewachsen, dass das nicht passieren kann», versicherte er und verwies auf die bekannte Strenge seines Vater Jos, des ehemaligen Teamkollegen von Michael Schumacher. «Mein Vater hat dafür gesorgt, dass sowas nicht passiert.»

Hamilton «will der Beste sein»

Selbstzufriedenheit? Für Hamilton auch vor seiner mittlerweile 16. Saison ein Fremdwort. Rache verspürt er ebenso wenig. «So ticke ich nicht, so gehe ich nicht an die Saison heran. Ich will der Beste sein, der ich sein kann», betonte er.

Hamilton will an Leistung zulegen und zumindest auf dem Stand vom Saisonende sein, als er erst nach fragwürdigen Entscheidungen der Rennleitung den Titel verloren hatte. «Ich hege keinen Groll, ich habe keine Last, die ich in die Saison mitschleppe», sagte er.

Hamilton erkennt nach den Testfahrten bei seinem Mercedes-Team noch eine Menge Nachholbedarf. «Wir haben Schritt für Schritt die Grenzen unseres Wagens kennengelernt. Wir haben eine Menge Arbeit vor uns», konstatierte er. Um Siege würden die Silberpfeile erstmal nicht mitfahren, meinte der Vorjahresgewinner. Das sei auch kein Bluff und kein Psychospiel. Verstappen sieht das anders.

Von Martin Moravec, dpa