24. Juli 2021

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Früherer Fia-Boss Mosley tot – Ecclestone: «Wie ein Bruder»

Max Mosley hat gemeinsam mit Bernie Ecclestone die moderne Formel 1 geprägt. Als Präsident des Weltverbands machte er die Rennserie sicherer. Jetzt ist der Brite gestorben.

Für Bernie Ecclestone fühlte sich der Tod von Max Mosley wie der Verlust eines Bruders an. Mosley prägte gemeinsam mit dem einstigen Chefvermarkter Ecclestone die Formel 1 über viele Jahre hinweg und verbesserte die Sicherheit in der Rennserie als oberster Regelhüter enorm.

Wie seine Familie am Montag mitteilte, erlag Mosley Sonntagnacht einem «langen Kampf gegen Krebs». Er wurde 81 Jahre alt. Von 1993 bis 2009 führte Mosley, einer der Väter der modernen Formel 1, den Internationalen Automobilverband Fia, nachdem er eine Karriere als Anwalt zu Gunsten des Motorsports aufgegeben hatte. Seine Familie bat nun darum, «in Ruhe trauern» zu dürfen.

«Es ist wie der Verlust eines Familienmitglieds, er war wie ein Bruder für mich. Wir haben uns gegenseitig verstanden. Das bedeutete, dass einer von uns den anderen kritisieren konnte, wenn uns eine bestimmte Idee nicht gefiel», zitierte die «Daily Mail» Ecclestone, der nach eigener Aussage stets im Kontakt zu Mosley geblieben ist. «Er war ein geradliniger Typ, er war nicht jemand, der tolerant gegenüber Dummköpfen war.»

Der studierte Physiker und Jurist war stets eine streitbare Figur. Als Sohn von Sir Oswald Mosley, dem Gründer der faschistischen Partei Großbritanniens, hatte er sich gegen eine politische Laufbahn entschieden. Stattdessen wurde er zum wichtigsten Berater von Ecclestone und später als einflussreicher Motorsport-Boss zu dessen Partner beim Umbau der Formel 1 zu einem globalen Milliarden-Geschäft.

«Hätte ich das alles ohne Max geschafft? Wahrscheinlich nicht», sagte Ecclestone einmal über Mosley. Dieser meinte einst im Rückblick auf sein Wirken: «Am Ende ist etwas Bedeutendes daraus geworden.»

Mosley war selbst Rennfahrer und schaffte es bis in die Formel 2. Als er merkte, dass ihm das Talent für die Königsklasse fehlte, gründete er das March-Team. Später sicherte er Ecclestones Aufstieg zum Chef der Rennserie ab und wirkte an vielen Deals seines Landsmanns mit.

1993 rückte er an die Spitze der umstrukturierten Fia. Ein Jahr später forcierte er nach dem Unfalltod von Ayrton Senna und Roland Ratzenberger in Imola gegen viele Widerstände den Ausbau der Sicherheitsmaßnahmen in der Formel 1. Dass es bis 2014, als Jules Bianchi in Suzuka tragisch verunglückte, keinen Todesfall unter Formel-1-Piloten mehr gab, war maßgeblich auch Mosleys Verdienst. «Max hat viel Gutes für den Motorsport getan und viel Gutes für die Auto-Industrie getan, indem er die Autos super sicher gemacht hat», lobte Ecclestone seinen früheren Weggefährten.

Mosleys Nachfolger als Fia-Boss, Jean Todt, reagierte bestürzt. «Sehr traurig über den Tod von Max Mosley. Er war eine bedeutende Persönlichkeit in der Formel 1 und im Motorsport», schrieb der Franzose in den sozialen Medien. «Die gesamte FIA-Gemeinschaft zollt ihm Respekt. Unsere Gedanken und Gebete sind bei seiner Familie.»

Die Formel 1 reagierte ebenfalls geschockt. «Jeder in der Formel 1 ist zutiefst betrübt, vom Tod von Max Mosley zu erfahren», teilte die Rennserie mit. Sein Vermächtnis vor allem in Sachen Sicherheit werde «Generationen überdauern», hieß es.

Beschädigt wurde Mosleys Ruf durch eine Sexaffäre. Im Jahr 2008 hatte die britische Zeitung «News of the World» illegal aufgenommene Bilder von einer Sexparty mit dem Fia-Chef veröffentlicht. In einem Rechtsstreit zwang Mosley das Boulevardblatt in die Knie.

«Ich habe mir gedacht, wenn ich es nicht mache, dann werden sie sich mindestens zehn Jahre weiter so benehmen und Leute bloßstellen, die sich nicht verteidigen können. Ich denke, ich habe das Richtige getan und bin sehr zufrieden damit», befand Mosley in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur einmal.

Danach setzte er seinen Kampf um das Recht auf Privatsphäre auf internationaler Ebene fort. Erst 2015 legte Mosley seine juristische Auseinandersetzung mit dem Suchmaschinenbetreiber Google bei, den er zwingen wollte, das Sex-Video und Bilder daraus nicht mehr anzuzeigen.

Von Christian Hollmann und Martin Moravec, dpa